Der NMC Horizon Report: 2017 Higher Education Edition

20. März 2018 Monika 0 Comments

Es gibt Veröffentlichungen, die einfach wichtig sind. Für Bildungsinteressierte ist dies der seit 2004 jährlich erscheinende Horizon Report des New Media Konsortiums. Dieser versucht jeweils, Technologien, Trends und Themen zu identifizieren, welche in der Bildung in den nächsten 5 Jahren eine grosse Rolle spielen könnten, sie vielleicht sogar transformieren werden. Dabei handelt es sich glücklicherweise aber nicht um ein kurzfristiges Buzzword Bingo. Es handelt sich um wohl überlegte Inhalte, welche zudem in den Kontext der Resultate vorheriger Jahre gesetzt werden, um übergeordnete Trends zu identifizieren. So resultieren 18 Themen in 3 Kategorien, 6 Meta-Kategorien und 10 längerfristige «Highlights».

Der NMC Report gilt- nicht überraschend- als einer der ausführlichsten Berichte zum Thema. Deswegen haben auch wir uns den Bericht angeschaut und uns gefragt, welche der vorgestellten Technologien und Trends wir als wichtig ansehen und vorallem, welche Aspekte in unseren neuen Studiengang fliessen sollen (oder müssen). Hier eine kurze Übersicht:

Zeit- und ortsunabhängiges Lernen
Lernende erwarten heute, überall und zur jeder Zeit lernen und arbeiten zu können. Dies verlangt nach einem permanenten Zugang zu Lernmaterialien und der Möglichkeit, jederzeit miteinander zu interagieren. Online, Mobile und Blended Learning haben sich gleichzeitig als eher einfach zu etablierende und bei Lernenden beliebte Lernformen gezeigt. Gerade das Prinzip des Flipped Classrooms hat sich als äusserst wirksam erwiesen und ermöglicht authentisches Lernen während der Präsenzphase. Jedoch darf die Analyse, wie diese Modelle die Gesamtlernresultate beeinflussen, nicht vergessen werden.

Authentisches, praxis-bezogenes Lernen
Um in der heutigen, von permanenten Veränderungen geprägten Arbeitswelt gute Voraussetzungen für eine Beschäftigung zu erhalten, haben Bildungsinstitutionen die Pflicht, aktives/authentisches Lernen zu ermöglichen und fördern. Dazu gehört als realitätsnahe Erfahrung ein projekt-basiertes, problem-basiertes und kompetenz-basiertes Lernen. Studenten sollen dabei aktiv lernen und aktiv beitragen. Auch die Förderung des Innovationsgeistes durch die Vermittlung unternehmerischen Denkens wird als wertvolle Voraussetzung für ein Ein- und Aufstieg in die Berufswelt angesehen.

Digitale Gewandtheit
Zwar können viele der heutigen Studenten mit verschiedensten digitalen Werkzeugen umgehen, doch ist die Anwendung einer Technologie nicht genügend, um sich gewandt in der digitalen (Arbeits)Welt zu bewegen. Ein tieferes Verständnis digitaler Technologien, gepaart mit Kreativität in deren Anwendung, ist erforderlich. Nur so kann für eine bestimmte Fragestellung das richtige Tool ausgewählt werden, ein Tool intuitiv in einem anderen Kontext eingesetzt oder grössere Zusammenhänge hergestellt werden.

Fragen der Evaluation
Die Verwendung adaptiver Lernwerkzeuge, welche sich der Leistung, dem Verhalten und des Engagements des Studenten anpassen, ist eine wichtige Komponente des personalisierten Lernens. Die dabei aufgezeichneten und verwendeten Daten führen zu Fragen bezüglich der Sichtbarkeit der studentischen Leistung. Es steht Teilen und Kollaborationen der Privatsphäre gegenüber. Weiter muss überlegt werden, wie sich Komponenten wie Berufserfahrung, Kompetenzen, Kreativität oder kritisches Denken bewerten und darstellen lassen.

Neue Ausrichtung des Dozentenberufes und Anerkennung ihrer Leistungen
Mit zunehmend selbst-gerichtetem Studium und Studierenden, welche selbstständig und regelmässig denken, iterieren und kollaborieren, verliert der Dozent seine Stellung als „Weiser auf der Bühne“. Er muss sich neu als „Guide auf der Seite“ erfinden und lernen, die studenten-zentrierten Ansätze zu ermöglichen und sanft aber effektiv zu steuern. Dazu gehört ein neues Anerkennungssystem für die Leistungen Dozierender.

Zwei weitere Aussagen des Horizon Report sind für mich persönlich ganz zentral:

Lebenslanges Lernen ist der Lebenssaft des Hochschulwesens. Die Institutionen sind gefordert, lebenslanges Lernen der Dozenten, Mitarbeiter und Studenten zu priorisieren und anzuerkennen. Denn nichts bereitet so gut auf die Arbeitswelt mit all ihren Anforderungen vor, als das Bewusstsein, dass man sich lebenslang weiterentwickeln kann und soll.

Kollaboration ist der Schlüssel um wirksame Lösungen zu skalieren. Dies gilt für Institutionen als auch für einzelne Pädagogen oder Dozenten. Ich bin überzeugt von dieser Aussage und möchten hiermit alle einladen, mit uns zu diskutieren, zu entwickeln und die besten erprobten Ansätze für zeitgemässes Lernen zu (ver)teilen.

NMC Horizon Report: 2017 Higher Education Edition

Reflections on being part of the NMC HE Horizon Report Expert Panel, The Chronicle of Higher Education Dez 2017

Leave a Reply:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.