Hochschulen der Zukunft

22. März 2018 Monika 0 Comments

Anforderungen der Digitalisierung an Hochschulen, hochschulstrategische Prozesse und Hochschulpolitik

Die Fernuniversität Hagen hat letzten Sommer mit „Digitalisierung, Diversität und Lebenslanges Lernen. Konsequenzen für die Hochschulbildung” einen neuen, wichtigen Forschungsschwerpunkt gesetzt. Dabei will sie einerseits ihre aus verschiedensten Perspektiven bereits getätigten Forschungsarbeiten zum Thema miteinander bündeln, vorallem aber auch die Arbeit durch Vernetzung von Akteuren und eigenen weiteren Forschungsarbeiten weiterführen und die Ergebnisse an der eigenen Hochschule ausprobieren und implementieren.

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In einem ersten Schritt hat sie mit dem Projekt Hochschulen der Zukunft im Sommer 2017 ein Dialog gestartet, in dem die Anforderungen der Digitalisierung an die Hochschulen, an hochschulstrategische Prozesse und an die Hochschulpolitik von verschiedensten Experten zusammengetragen und diskutiert werden soll. Als Basis dienten Experteninterviews, aus welchen 4 Hauptthemen herausgearbeitet wurden. Diese Ergebnisse wurden an einer Präsenztagung im März 2018 vorgestellt, mit den Teilnehmern diskutiert und weiter vertieft (#zukunfthochschule).

Auch hier verfolgen wir das Projekt unter dem Gesichtspunkt, was für die Konzeption und Implementierung unseres Studienganges relevant ist. Folgende vier (aus dem Bericht zusammengestellte) Aussagen haben sich dabei für uns als zentral erwiesen:

Digitalisierung ist keine technologische, sondern eine holistische Herausforderung, auf welche Individuen ganz unterschiedlich reagieren und für deren Bewältigung es (Hochschul-) Netzwerke braucht.

Lernwege müssen so flexibilisiert werden können, dass sie sich individuellen Lebenswegen anpassen können. Modulare Kurzformate und kleinere Studieneinheiten sollen zusammengefügt werden können. Dazu ist eine Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Anbietern vorteilhaft. Weiter soll die Lehre stärker handlungsorientiert und projektbasiert sein und partizipative Formate einschliessen.

Den Kontakt zu und die Kooperation mit Netzwerken diverser Art und Grösse ermöglicht den Studierenden nicht nur das Sammeln von praktischen Erfahrungen, sondern fördert die Fähigkeit, Wissen zu transferieren und in verschiedenen Kontexten anzuwenden. Hochschulen sollen dies durch entsprechende Architekturen und Infrastrukturen ermöglichen und fördern.

Studierende, die in ihrem Studium viele Freiheitsgrade erleben, erwerben persönliche Kompetenzen, welche in der heutigen  Arbeitswelt immer mehr gefordert werden. Ob dieser Kompetenzerwerb auch ins Curriculum einfliessen soll oder nicht, ist umstritten.

Und diesen Statements aus der Diskussion stimmen wir (nebst anderen) zu:

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Hochschulen der Zukunft- Ergebnisse

Link zur Webseite (Bericht wird nach Ende des Projektes freigeschaltet)

Wenn wir die Hochschule in den Kontext einer digitalen Gesellschaft stellen, geschieht das unter der Annahme, dass sich die Hochschule mit und durch digitale Technologien verändert. In der Hochschule als Organisation agieren individuelle Akteure, deren kulturelle Vorstellungen die Organisationsidentität mitbeeinflussen. Darum begreifen wir Digitalisierung nicht nur als technologisches, sondern auch als soziales und kulturelles Phänomen.

Um die zahlreichen Veränderungen, die die Digitalisierung an der Hochschule mit sich bringt, einzubinden, ist eine entsprechende (aktive) Grundhaltung von Hochschulen gegenüber dem Thema nötig. Laut den Interviews gibt es momentan zwei Grundhaltungen:

  • Digitalisierung wird aus Interesse und Neugierde mitgestaltet, um das breite Spektrum der Anwendbarkeit selbst aktiv zu entdecken und zu entwickeln – auch abseits sogenannter Leuchtturmprojekte.

  • Digitalisierung wird eherzögerlich und auf das Notwendige reduziert umgesetzt, weil Studierende, hochschulpolitische Vorgaben oder andere Interessengruppen dies einfordern.

Wichtig bleibt aber zu berücksichtigen, dass Studierende wie auch Lehrende den Grad der Durchdringung der Digitalisierung auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen können sollten. Um ein entsprechend umfangreiches Angebot ermöglichen zu können, sind mitunter auch Zusammenschlüsse mehrerer Hochschulen zu einem Netzwerk von Vorteil.

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Durch die zunehmende Diversität der Studierenden stellt sich die Frage, wie Lernwege so flexibilisiert werden können, dass sie sich individuellen Lebenswegen anpassen können.

Während ein Teil der Studierenden in jungen Jahre ein Studium intensiv absolviert und darauf den beruflichen Weg baut, gibt es immer mehr Lebensläufe (die Studie geht so weit zu sagen, dass diese zum Normalfall werden), in denen der Bildungsprozess episodisch stattfindet. Ein Studium wird wieder aufgenommen, ein weiteres absolviert oder eine akademische Weiterbildung absolviert- gemäss dem in der momentanen Lebensphase verfügbaren Zeitbudgets.

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Auch wenn viele Studierende nach wie vor die Möglichkeit der Präsenz und des unmittelbaren Austauschs an der Hochschule schätzen, wünschen sie sich eine stärkere Berücksichtigung digital gestützter Formate. Damit einher geht der Wunsch nach mehr Flexibilisierung der Lernzeiten und –orte, aber auch einer höheren Partizipation im Hinblick auf die Entscheidung über Inhalte, Lernziele und –methoden.

Dass die Digitalisierung dem Anspruch der Flexibilisierung insofern gerecht wird, dass sie den Studierenden einen unkomplizierten und räumlich wie zeitlich flexiblen Zugang verschafft, ist nichts Neues. Die Hochschulen sollten dies nun aber nicht nur bezüglich Infrastruktur, sondern auch im Angebot stärker berücksichtigen, so dass ein personalisiertes Lernen stattfinden kann:

Einig sind sich die Expert*innen vor diesem Hintergrund dahingehend, dass Hochschulen mehr akademische Kurzformate und kleinere Studieneinheiten anbieten sollen, die zu einem Studienabschluss zusammengefügt werden können. Daran schließt sich natürlich die Frage an, inwiefern Studierende in der Zukunft die Möglichkeit haben, sich die von ihnen gewünschten Inhalte nicht nur aus hochschulischen Angeboten, sondern auch von anderen Institutionen und Anbietern zusammen zustellen.

Die Lehre soll stärker handlungsorientiert und projektbasiert gestaltet werden, inklusive verschiedener Formate vom individuellen Lernen über Peer-Learning bis hin zur Einbindung des Lernenden in bereits bestehende Organisationen.

Unter dem gleichen Titel wurden auch Aspekte betrachtet, die sich mit dem Transfer des Erlernten in die Gesellschaft beschäftigen, wobei Gesellschaft auch für die Arbeitswelt steht. Speziell herausgehoben wurde die Wichtigkeit, schon als Student in Berührung mit verschiedenen Netzwerken zu kommen.

Seitens der Hochschule sollten Lernende [….] mit verschiedenen globalen, internationalen und regionalen Netzen und Kooperationen in Kontakt [gebracht werden]. […] dann können Studierende diese Netzwerke nutzen, um Erfahrungen in den verschiedensten Lehr-Lernkontexten zu sammeln. Netzwerke können sich bereits aus kleinen Teams von Studierenden zusammensetzen und reichenbis hin zu regionalen und überregionalen Netzen, in denen Studierende durch kleine unterstützende und praxisnahe Aufgaben Erfahrung sammeln können. Studierende erfahren auf diese Weise einen Transfer von Wissen. […] Dementsprechend flexibel sollten die Architekturen und Infrastrukturen von Hochschulen gestaltet sein.

Weiter wurde postuliert, dass Studierende, die in ihrem Studium viele Freiheitsgrade erleben, persönliche Kompetenzen erwerben, welche in der heutigen Gesellschaft beziehungsweise Arbeitswelt immer mehr gefordert werden:

Individuelle Kompetenzen und Interesse, um damit Innovationen zu unterstützen: Welchen Grad der Freiheit in der Selbstgestaltung können Hochschulen in Bildungsprozessen ihren Studierenden ermöglichen?
Individuen sind verantwortungsvoll, kreativ und empathisch, wenn sie sich selbst frei entfalten dürfen, indem sie sich ihre Inhalte selbst zusammensuchen und ihr Lerntempo anpassen. Studierende, die in der Gestaltung ihrer Lernprozesse unterstützt werden, tragen die erworbenen Erfahrungen und Kompetenzen in weitere gesellschaftliche Bereiche hinein. So können sie sich letztendlich aktiv und innovativ an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligen.

Gleichzeitig scheint unklar, ob der Erwerb dieser Kompetenz auch in ein Curriculum einfliessen kann und sollte:

Uneinig sind sich die Expert*innen hingegen bei der Gestaltung des Curriculums im Hinblick auf Kompetenzenzwicklung und Persönlichkeitsbildung. Sollten diese Aspekte als Zielsetzung eine stärkere Verankerung in den Curricula der Hochschulen erfahren? Oder sollten Inhalte eher nach ihrer beruflichen Verwertbarkeit ausgewählt werden? Angesichts einer zunehmenden Abnahme der Gültigkeitsdauer spezifischer Qualifikationen ist aber zu vermuten, dass die Entwicklung übergeordneter Kompetenzen grundsätzlich mehr Gewicht auch in der Hochschullehre erhalten wird.

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