Lernen mit Digitalen Medien aus Studierendenperspektive

29. März 2018 Monika 0 Comments

Das deutsche Hochschulforum Digitalisierung beschäftigt sich mit den zahlreichen Aspekten des Wandels der Hochschulen unter dem Einfluss der Digitalisierung und versucht, basierend auf Studien und Praxisbeispielen, Empfehlungen für die Entwicklung des Hochschulalltages zu erstellen. In einer Studie (CHE Hochschulranking 2014/2015) wurden 27’473 Studierende aus 11 Fächern an verschiedenen Hochschulen in Deutschland unter anderem zu ihrer Mediennutzung befragt und daraus das Papier «Lernen mit digitalen Medien aus Studierendenperspektive» erstellt. Dabei wurde untersucht, wie stark verschiedene digitale Lernformate von Studierenden aus welchen Studienrichtungen genutzt werden. Die Resultate zeigen eine Momentaufnahme des Digitalisierungsgrades der heutigen Studierenden und sind äusserst wichtig im Hinblick auf einen Studiengang, der die Studierenden zu selbst-gerichtetem Lernen mit neuen Medien animieren will.

«Das Bild des vielseitig orientierten Studierenden, der sich aus dem umfangreichen Angebot verfügbarer Medien ein individuelles Lernportfolio zusammenstellt, entspricht nicht der breiteren Realität»

In der Studie wurden die Studierenden zu ihrer Nutzung von rund 20 verschiedenen Medien befragt, welche sich in die 5 Kategorien «klassisch», «social», «e-exam», «Medien» und «interaktiv» einteilen lassen.

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Während praktisch alle Studierenden «klassische Medien» für ihr Studium verwenden, gibt es einen grossen Anteil an Studierenden, der daneben keine weiteren digitalen Lernformate nutzt. Dieser klassische Typ wurde in der Studie als «pdf-Nutzende» betitelt und dominiert klar.

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Weiter liessen sich 3 weitere Typen von Studierenden unterscheiden. «E-Prüflinge» absolvieren ihre Tests virtuell, nutzen aber ansonsten digitale Medien nur in kleinem Masse. Diese Studierenden kommen meist aus Fakultäten oder Universitäten, bei denen die Prüfungen als e-Assessments abgehalten werden. Ihr Nutzverhalten ist dementsprechend von der Hochschule vorgegeben und unterscheidet sich intrinsisch nicht weiter von dem der «pdf-Nutzenden». Ähnlich verhält es sich mit den «Videolernenden». Diese nutzen zwar Lernvideos für ihr Studium (vor Tutorials oder Podcasts), verwenden aber selten andere digitale Werkzeuge.

Die vierte Nutzergruppe ist schlussendlich die der «Digitalen Allrounder», welche eine breite Palette digitaler Medien nutzt und fast das ganze Angebot ausschöpft. Sie macht nur 21.5% der befragten Studierenden aus und findet sich vor allem bei den Informatikstudiengängen wieder. Einzig E-Assessments und Soziale Medien werden von Medizinstudierenden noch intensiver genutzt als von Informatikern. Weiter zeigen sich in allen Fächern grosse Unterschiede im Nutzungsverhalten der Studierenden zwischen den einzelnen Hochschulen.

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Die Studie kommt zum Schluss, dass die Nutzung von digitalen Medien im Alltag sich nicht automatisch auf den Hochschulkontext übertragen lässt, und dass «Digital Natives» nicht generell digital affin studieren. Trotz grossem Angebot nutzt die Mehrheit aller Studierenden vor allem dann digitale Lernformate, wenn solche durch Lehrende diktiert werden, wie bei elektronischen Prüfungen.  Das Bedürfnis, digitale Formate auf freiwilliger Basis zu suchen und zu nutzen, scheint nur sehr schwach zu sein, weshalb auch ein höherer Bekanntheitsgrad der Lernangebote wahrscheinlich nur zu wenig höherer Nutzerzahlen führen würde.

«Wie ist diese digitale Zurückhaltung zu erklären?»

Davon ausgehend, dass sämtliche Studierende vor ihrem Studienantritt eine ähnliche Neigung zur Nutzung digitaler Lernmedien haben, müssen die Unterscheide sich während des Studiums etablieren und damit von der Art und dem Umfang des digitalen Lernangebotes der Hochschule abhängig sein. Die ergebnisorientierte Haltung vieler Studierender führt dazu, dass sie nur diejenigen digitalen Medien nutzen, welche ihnen als Teil der Lernveranstaltung angeboten werden und die zur Erreichung des Leistungsziels nützlich sind. Sie scheinen keine Notwendigkeit zu sehen, nach alternativen oder zusätzlichen Lernquellen zu suchen. Dies wird weiter dadurch verschärft, dass Studierende Probleme mit der Einschätzung haben, wie gut oder schlecht eine Lernmedium zur Lernveranstaltung passt.  (Ein gutes Coaching der Studenten könnte dem entgegenwirken!)

«Die Verfügbarkeit digitaler Medien alleine bedeutet nicht notwendigerweise auch ihre Nutzung. Erst wenn digitale Medien aktiv ins Lernkonzept einbezogen und verbindlich in die Lehrveranstaltung integriert werden, findet eine regelhafte Nutzung durch Studierenden statt.»

 

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