Digitalisierung und Hochschule- warum brauchen wir ein neues Studienkonzept?

10. Mai 2018 Monika 0 Comments

Die Digitalisierung kann massiv dazu beitragen, die akademische Lehre insgesamt attraktiver, individualisierter, effektiver und flexibler zu gestalten. Neue, vor allem digitale Lernformate kommen den Forderungen nach zeit- und ortsunabhängigem Lernen, Flexibilität und personalisierten Lernwegen entgegen. Diese studentischen Forderungen werden immer gewichtiger aufgrund einer Zunahme von nicht-linearen Bildungswegen, einer parallelen Berufsausübung, einer Volatilität der Berufsdefinitionen und der vermehrten Nutzung digitaler Instrumente auch in der Ausbildung. Gleichzeitig erwartet die Arbeitswelt heute von den zukünftigen Arbeitnehmern, dass sie ein grosses Set an sogenannten „Soft Skills“ oder „Kompetenzen für die digitalisierte Arbeitswelt“ mitbringen. Dazu gehört insbesondere Problemlöse-Fähigkeit, kritisches Denken, Kreativität, Empathie, Teamfähigkeit (inklusive Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit zum kollaborativen Arbeiten) und Entscheidungsfähigkeit. Die Vermittlung dieser Kompetenzen wird im heutigen traditionellen (Schweizer) Bildungswesen noch massiv vernachlässigt.

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Die Digitalisierung eröffnet ganz neue Möglichkeiten für dieses individualisierte Lernen und für den Erwerb der oben genannten, nicht-fachlichen Kompetenzen. Dazu gehören insbesondere neue, digitale und flexible Lernformate, aber auch neue Formen des Lernens, welche durch digitale Formate erleichtert werden.

So ist breit anerkannt, dass Studierende, die in ihrem Studium durch selbst-gesteuertes oder personalisiertes Lernen viele Freiheitsgrade erleben, persönliche/nicht-fachliche Kompetenzen erwerben, welche in der heutigen Arbeitswelt immer mehr gefordert werden. Unbestritten ist auch die Wichtigkeit von sozialen und kollaborativem Lernen, durch welches Prozesse eingeübt werden können, die in der heutigen Arbeitswelt Standard sind und die als natürliche Form des Lernens gelten. Weiter gilt das Verständnis von und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen als wichtig. „Deep Learning“, realitätsnahe Unterrichtsmethoden mit problem- projekt- und forschungsbasiertem Lernen, die kritisches Denken, Problemlösen, Zusammenarbeit und selbstbestimmtes Lernen fördern, sind ein weiterer Zweig beim Erwerb nicht-fachlicher Kompetenzen, wie auch die Integration von Unternehmertum ins Studium und die damit einhergehende Förderung einer Innovationskultur.

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Die vermehrte Verwendung digitaler Medien und Werkzeuge im Unterricht führt zu neuen Lernformaten, die eine grosse Flexibilisierung und Personalisierung erlauben und damit die Lehre für die heutigen Studierenden attraktiver und für nicht-traditionelle Studierende eventuell erst möglich machen. Während heute die Hochschulen vor allem im Grundstudium immer noch stark von der Präsenzlehre geprägt sind und umfassende digitale Lernformate primär als Einzelinitiativen eingesetzt werden, wird davon ausgegangen, dass der Anteil digitalem Lernstoff an der Hochschule auf rund ¾ steigt und vermehrt im Blended Learning oder Flipped Classroom unterrichtet wird.

Die Bereitstellung digitaler Inhalte unterstützt gleichzeitig den selbst-gesteuerten oder personalisierten Unterricht insofern, dass sie dem Studierenden erlaubt, selbständig aus einer Vielzahl zur Verfügung gestellter Quellen auszuwählen. Weiter erlauben die diversen Werkzeuge des Web 2.0 den Aufbau einer persönlichen Lernumgebung (PLE) im Sinne einer Sammlung von virtuellen, vertrauensvollen Quellen diverser Natur und einer (persönlichen) Plattform zur Verarbeitung und Sichtbarmachung von Gelerntem. Diese Lerntagebücher und Portfolios gelten dabei als eine neue Form des Assessements, welche auch die nicht-fachlichen Kompetenzen einbezieht. Eine persönliche (offene) Lernumgebung ist damit das moderne, agile Gegenstück eines traditionellen LMS. Gleichzeitig ermöglicht sie ein „richtiges“ soziales und kollaboratives Lernen, das dank virtueller Vernetzung mit Personen und Institutionen über den engen Kreis der Mitstudierenden hinausgeht und sich damit am lebenslangen Lernen orientiert.

Der neue Studiengang „Data Engineering“ nimmt in seinem Konzept viele der oben genannten Forderungen auf und will die Vorzüge der Digitalisierung in der Lehre nutzen, um einen flexiblen und personalisierten Erwerb von fachlichen und nicht-fachlichen Kompetenzen zu ermöglichen und die Absolventen möglichst umfassend auf die heutige Arbeitswelt vorzubereiten. Wir freuen uns darauf, in den nächsten Wochen hier im Blog nach und nach die Bausteine des entstehenden Studienganges vorzustellen und mit den Lesern zu diskutieren! Fortsetzung folgt…..

Referenzen

  • Notions of Disruption- Digital Competences; Sabine Seufert; Nov 2017. Explorative Studie des Schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsrates; https://www.swir.ch/de/publikationen-de
  • The Future of Jobs Report- Employment, Skills and Workforce Strategy for the Fourth Industrial Revolution; World Economic Forum; January 2016 http://reports.weforum.org/future-of-jobs-2016/
  • NMC Horizon Report: 2017 Higher Education Edition. Adams Becker, S., Cummins, M., Davis, A., Freeman, A., Hall Giesinger, C., and Ananthanarayanan, V. (2017)., Austin, Texas: The New Media Consortium.
  • Trendstudie Digitale Bildung auf dem Weg ins Jahr 2025; mmb Institut- Gesellschaft für Medien- und Kompetenzfoschung mbH, Essen 2016
  • Anforderungen der Digitalisierung an Hochschulen, hochschulstrategische Prozesse und Hochschulpolitik; Projekt Hochschule der Zukunft, Fernhochschule Hagen; März 2018
  • Monitor Digitale Bildung- Die Hochschulen im digitalen Zeitalter; Dr. Ulrich Schmid et al.; CHE Centrum für Hochschulentwicklung/BertelsmannStiftung, März 2017 CC-BY-ND, DOI 10.11586/2017014

 

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