Workshop Soft Skills Klausur Technik 2018

21. Juni 2018 Norma 3 Comments

An der diesjährigen Klausur Technik hatten wir als Projektteam Studiengang Data Science die Möglichkeit, einen knapp zweistündigen Workshop anzubieten. Unser Ziel war es, ein Thema zu bearbeiten, bei dem wir einerseits noch weisse Flecken auf der Landkarte haben und zugleich möglichst von der Diversität der Zusammensetzung an der Klausur profitieren können. Zudem sollte es möglich sein, sich dem Thema ohne grosse Vorbereitung in knapp zwei Stunden nähern zu können.  Daher entschieden wir uns, den Fokus dieses Workshops auf die Soft Skills von Data Science Absolvierenden und das Assessment dieser Soft Skills zu legen. Die Abbildung des Flip-Chart unten gibt eine Übersicht über die Themen, die im Studiengang Data Science gerade bearbeitet werden.

Konkret ging es in einem ersten Teil darum zu eruieren, welche Soft Skills bei den Absolvierenden des Studienganges die «most wanted» sind. Dazu erhielten die Teilnehmenden eine Liste mit einer Sammlung von rund 40 Soft Skills, die einerseits in der Literatur und andererseits von anderen Schulen, Personalverantwortlichen, und Experten für die neue Generation an Absolvierenden gefordert werden. Zuerst sollten die Teilnehmenden individuell entscheiden, welche 10 dieser 40 Kompetenzen am wichtigsten, bzw. am wenigsten wichtig sind für die Absolvierenden. Anschliessend sollte in 4-er Gruppen versucht werden einen Konsens für die 6-12 «most wanted» Kompetenzen zu finden.

Im zweiten Teil sollten Möglichkeiten diskutiert werden, wie die gewählten 6-12 Skills geprüft werden können. Dabei sollten die 4-er Gruppen Prüf-Möglichkeiten vorschlagen und diese kritisch zu beäugen hinsichtlich verschiedener Kriterien. Dazu gehörte die beispielsweise die Möglichkeit gewisse Kompetenzen gleichzeitig prüfen zu können, dass die Prüfung fair und nachvollziehbar ist, oder die Vergleichbarkeit der Studierenden sicherzustellen.

Wir haben diese Knacknuss-Aufgaben mit 16 Leuten quer durch die Technik eruiert und diskutiert. Unter den Teilnehmenden waren eine bunte Mischung von Leuten aus der Administration, den Instituten Mathematik und Naturwissenschaften, interaktive Systeme,  mobile und verteilte Systeme, Geistes- und Sozialwissenschaften, Nanotechnische Kunststoffanwendungen, Produkt- & Produktionsengineering und Optometrie. Entstanden ist eine Liste mit 17 Soft Skills, von denen sich 10 Kompetenzen teilweise überschneiden. Unten ist die Flipchart abgebildet mit der Sammlung der Kompetenzen in schwarz bzw. grün, sowie den Prüfmöglichkeiten und Kommentaren in rot.

Die drei Top-Favoriten über alle vier Arbeitsgruppen waren:

  • Team-Fähigkeit
  • Adressatengerechte Kommunikation
  • Projektmanagement

An zweiter Stelle stehen folgende sieben Kompetenzen:

  • Kreativität
  • Selbstmanagement
  • Reflexionsvermögen
  • Problemlösekompetenz
  • Systemkompetenz
  • Wissenschaftliches Arbeiten
  • Kritisches Hinterfragen

Die Diskussion über die Kompetenzen hat sehr viel Zeit beansprucht, weshalb die Suche nach geeigneten Prüfformen weniger ausführlich diskutiert werden konnte. Dennoch ist auch eine Sammlung von möglichen Prüfformen zusammengekommen.

Die gesammelten Prüfformen umfassen:

  • Tagebücher: Dokumentation Lernerfolge & -Misserfolge über gesamte Ausbildung hinweg à trainiert gleichzeitig Reflexionsvermögen
  • Projektschiene: als Ausbildung und Prüfung zugleich
  • Peer-to-Peer Bewertungen: unter den Studierenden à gute Erfahrungen bei Optometrie und im Studiengang Informatik und iCompetence.
  • Self-Contracting: Eigene Zielsetzung und Diskussion Erreichung mit Begleitperson (Coach, Mentor, …)
  • Bearbeitung von Fallbeispielen / konstruierten Situationen: Beobachtung Reaktion, Verhalten
  • Kurze Rollenspielsequenzen: dito
  • Relativprüfung: Vergleich Ausgangs- und Endsituation

Hinzu sind einige allgemeinen Kommentaren zum Prüfen solcher Kompetenzen geäussert worden. Diese umfassen vor allem die folgenden Themen:

  • Es muss Aufwand und Ertrag abgewogen werden: Man kann wahrscheinlich fast alle Kompetenzen prüfen, die Frage ist, wie viel Aufwand, Zeit, Geld, Personal wir dafür aufwenden wollen und können. Am Ende ist es immer noch ein Data Engineering Studiengang und kein Soft Skill Studiengang.
  • Wie fein «granuliert» müssen die Anforderungen / Kompetenzen ausformuliert sein? Eine gewisse Feinheit muss sein, um die Kompetenzverständnisse zu objektivieren. Wenn es hingegen zu fein wird, kann es sein, dass niemand mehr alle Unterkriterien erfüllen kann. à Wann ist es nicht mehr realistisch?
  • Die Ansprüche müssen erfüllbar bleiben. Niemand von uns im Raum würde alle diese 17 Kompetenzen erfüllen. Das spricht einerseits dafür, dass die Studierenden nicht alle Kompetenzen beherrschen müssen sondern eine Teilmenge davon (zB. 8 von 10 Kompetenzen müssen erfüllt sein). Andererseits stellt sich dadurch die Frage nach der Abstufung der «Kompetenzerreichung» à ab wann ist eine Kompetenz «erfüllt»? (zB. 5 von 6 Kriterien einer Kompetenz müssen erreicht werden, dann gilt die Kompetenz als erfüllt)
  • Müssen wir Soft Skills überhaupt prüfen? Macht es vielleicht Sinn, diese nur in regelmässigen Abständen «zwingend» zu reflektieren und den Studierenden Möglichkeiten anzubieten, wie sie diese trainieren können?
  • Wäre es nicht besser / ergänzend möglich, dass Studierenden ein Rahmen geboten wird, in dem sie «mikro-scheitern» können. So lernen sie, sich selber besser einzuschätzen, ohne dass andere ihnen sagen müssen «das kannst du noch nicht, du überschätzt dich,…», was sie ohnehin meistens nicht glauben.
  • Es geht schliesslich vor allem darum, dass die Studierenden ein realistisches Selbstbild von sich entwickeln können. Das hilft ihnen eventuell mehr als «ausgewiesene Kompetenzen», denn nur so können sie langfristig Enttäuschungen bei sich und Arbeitgebern vermeiden. Gerade dafür könnte eine Art Tagebuch oder Self-Contracting eine gute Methode sein.
  • Es wird immer Studis geben, die alle Scheitergründe externalisieren. Das ist unabhängig von der Neutralität des Assessments. Daher stellt sich vielleicht die Frage, wie neutral so ein Assessment überhaupt sein muss…
  • Es besteht auch die Möglichkeit, bestimmte Kompetenzen (evtl. solche, die besonders «charakter-abhängig» sind) bereits durch eine Vorselektion beim Eintrittsassessment zu steuern. Beispielsweise könnte man im Eintrittsassessment dafür sorgen, dass Menschen ohne intrinsische Motivation gar nicht erst durch das Eintrittsassessment kommen.
  • Inwiefern wäre eine Relativ-Prüfung von Soft Skills eventuell sinnvoll / fair? Jemand der sehr introvertiert ist und es bis zum Ende des Studiums schafft sicher und kompetent an Präsentationen aufzutreten hat sein Entwicklungspotential mehr ausgenutzt als jemand der bereits von der Natur her extrovertiert und offen ist.
  • Eine andere Alternative wäre eine Relativ-Prüfung gegenüber den anderen (bisherigen?) Studierenden, so hätten sie die Möglichkeit einzuschätzen, wo Ihre Stärken gegenüber den anderen liegen. (Analog zur Laufbahnberatung)

Durch die Möglichkeit sich mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichem Hintergrund auszutauschen ist eine Menge an spannenden Gedanken und Fragen zusammengekommen. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal bedanken für die vielen Inputs und Anregungen von allen Teilnehmenden!

Der nächste Schritt wird es sein, sich für eine Reihe von Soft Skills zu entscheiden und diese genauer auszuformulieren. Dafür werde ich sicher wieder auf die Expertise und Erfahrung von Kollegen und Kolleginnen zurückgreifen. Zudem wird entschieden werden, inwiefern Prüfungen von Soft Skills zielführend und nützlich sind, und welche Arten sich dann dafür am besten eignen würden.

Updates dazu werden wieder auf diesem Blog veröffentlicht. Wer in Zwischenzeit weitere Ideen und Anregungen hat, kann sich jederzeit an uns wenden.

3 People reacted on this

  1. Liebe Norma, was Du in Deinem Workshop erarbeitet hast, deckt sich zu einem grossen Teil mit dem, was in den von mir besuchten Workshops aufkam. Als grösste Lücke wurden mehrere Male die Kommunikationsskills genannt- gerade auch im Umgang mit Dozierenden oder externen Personen. Weiter wurde Selbstreflexion/das realistische Selbstbild aufgeführt, welches auch bei Dir aufkam. Ein wichtiger Punkt war die aufwendige Prüfung von Kompetenzen gegenüber der Skalierbarkeit von Assessements bei immer grösser werdenden Studierendenzahlen und schlussendlich auch der Frage- wie weit können/sollen wir überhaupt prüfen? Auch die Feingranuliertheit wurde in einem meiner Workshops angesprochen- die Anforderungen müssen zwar definiert sein, aber je genauer, desto mehr Diskussionen über „erfüllt oder nicht erfüllt“ ergeben sich. Es scheint sich bewährt zu haben, eine gewisse Unschärfe zuzulassen.
    Ich finde es sehr spannend zu sehen, dass sich ein gewisser Konsens herauskristallisiert, wenn auch momentan noch unscharf. Ich würde mich wie Du freuen, wenn wir diesen im Dialog weiter schärfen können. Danke für Deinen Beitrag!

    1. Liebe Norma, liebe Monika,
      mir scheint es methodisch wichtig – trotz Furcht vor Granuliertheit – dass Lernziele definiert werden. Was genau verstehen wir unter „Kommunikationsfähigkeit“ – und was sind folgedessen die Ziele? Der Definitionsprozess braucht Zeit, denn er erfordert Konsens unter allen prüfenden Dozierenden. Erst dann können Formen von Prüfungen festgelegt werden.
      Viel Freude und Erfolg wünsche ich euch!

      1. Liebe Ruth
        Vielen Dank für Deinen Input. Ja, die Ausformulierung der gewählten Kompetenzen ist ein absolutes Muss. Um diesen Task zu erfüllen, klopfen wir dann gerne wieder an Deiner / Eurer Tür!

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